Sprache und Kommunikation in Orthopädie und Physiotherapie – logisch, verständlich oder was?
Aus der Überschrift lässt sich ableiten, dass der Sprachgebrauch von Orthopäden und Physiotherapeuten für die
Patienten hin und wieder zumindest irritierend ist. Wie der Punkt Spr 01 zeigt, manchmal sogar falsch. Deshalb werden hier Beispiele
von Ungereimtheiten oder eines nicht zu Ende gedachten beziehungsweise für Patienten unverständlichen Gebrauchs der Sprache beschrieben.
Wenn Sie ebenfalls auf einen unverständlichen oder sogar nicht zutreffenden Sprachgebrauch stoßen sollten, würde ich
mich freuen, Sie fänden die Zeit dafür, ihn mir unter
h-vdw@gmx.net in einer eMail zu übersenden. Wenn Sie möchten, nehme ich
das hier mit auf; entsprechend Ihrem Hinweis mit oder ohne Ihren Namen.
Das #Selbsthilfeprinzip erfordert eine andere Kommunikation, die noch gelernt werden muss
Sprache und Philosophie
Stärkung der Immun„abwehr“ – wollen wir das wirklich? Ist das sinnvoll?
Der Trochanter major ist nekrotisch, der muss abgeschnitten werden!
Das #Selbsthilfeprinzip erfordert eine andere Kommunikation, die noch gelernt werden muss
Möchte man in der Physio– und Ergotherapie vom Fürsorge– zum Selbsthilfeprinzip wechseln, so muss man das richtig lernen.
Zu dieser Schlussfolgerung bin ich durch eigenes Erleben mit Übungen gekommen, die ich in der Physiotherapie vermittelt bekam.
Auch gleich im Anschluss an die Physiotherapie konnte ich nur noch wenige der vermittelten Übungen nachvollziehen. Und das, obwohl
ich sie mir hatte merken wollen und auch ein relativ gutes Gedächtnis habe.
Daraufhin habe ich mehrere Gelegenheiten genutzt, um heraus zu finden, wie es anderen geht: Kurz gesagt: Es
fällt vielen Menschen schon sehr schwer, die Übungen während der Anleitung durch Physiotherapeuten in deren Praxis
auszuführen, Dafür gibt es unterschiedliche Gründe,
folgende sind mir bekannt:
- Der Körper hatte immer funktioniert, sie haben sich nicht damit beschäftigt und müssen erst einmal verstehen, dass
sie ihnen unbekannte Bewegungsabläufe ausführen sollen.
- Der genannte erste Grund zieht oftmals nach sich, dass ihnen auch eini8ge Bezeichnungen von Körperteilen nicht geläufig sind.
- Übungen sind zu abstrakt benannt beziehungsweise nicht gut genug erläutert.
- Man versucht, ihnen Übungen beizubringen, die sie ohne Unterstützung nicht hinbekommen.
- Von den Physiotherapeut:innen ausgewählte Übungen sind ihnen unangenehm, es müssten andere ausgesucht werden.
- Pro Übungsstunde werden zu viele Übungen durchgeführt, was sich die Patient:innen nicht merken können.
- Die Patient:innen sollen sch die Übung anhören, jedoch nicht selbst verbal wiederholen, obwohl das Lernen wesentlich
über das Selbersprechen und Wiederholen erfolgt.
- Die Patient:innen werden nicht beim Lernen unterstützt, weil ihnen die Übungen, die sie ausführen konnten, nicht
zum Merken schriftlich mitgegeben werden.
- Es gibt zu wenige Einzelstunden pro Patien:in.
- Möglichkeiten von Gruppenkursen werden zu wenig genutzt.
- Möglichkeiten des Austausches der Patient:innen über ihre Probleme und Erfahrungen werden nicht angeboten.
Wie aus der Aufstellung unschwer erkennbar, geht es also nicht nur um das Vermitteln von Übungen, sondern um das Erkennen der
persönlichen Situation, in der sich die Patientin, der Patient befindet und was gemacht werden könnte, um die Situation
nachhaltig zu verbessern. Daraus lässt sich ableiten:
Eine Veränderung der Physio– und Ergotherapie vom Fürsorge– zum Selbsthilfeprinzip erfordert eine umfassendere
Ausbildung der Therapeuten als das bislang üblich ist.
Schwerpunkt sollte ein speziell füPhysiotherapeut:innen konzipertes Training der Kommunikation sein! Und Aufnahme in das reguläre Studium.
[Spr 4] © by Henriette van der Wall, 17. September 2019 und 24.02.2025, Alle Rechte vorbehalten
Sprache und Philosophie
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein derartiger Fehler wie bei der Immunisierung dem Mediziner und Naturwissenschaftler
Wilhelm Roux (19. Juni 1850 – 15. September 1924) unterlaufen wäre. Er hatte seinerzeit sehr lange dar%uuml;ber nachgedacht,
bis er die Begriffe „Entwicklungsmechanik“ sowie „funktionelle Anpassung“ kreierte. Wie Dietrich Barfurth
in seinem Nachruf informierte, hatte Wilhelm Roux sich seit früher Jugend mehrere Male intensiv dem Philosophiestudium gewidmet.
So zum Beispiel auch während der Arbeit an seiner Doktorarbeit (Dietrich Barfurth, Rostock 1924: Wilhem Roux, Ein Nachruf).
Über Ernst von Bergmann sagt man, er hätte von den Studenten ausdrücklich gefordert, sie sollten ein Semester
Philosophie belegen.
Vielleicht finden sich ja mal einige Mediziner verschiedener Fachrichtungen und korrigieren die sprachlichen Ungereimtheiten
gemeinsam mit Sprachwissenschaftlern? Vor längerer Zeit hatte ich schon mal gelesen, dass sich jemand mit der Sprache in der
Medizin beschäftigt hatte. Das war aber nur einmal. Und es war nur eine Person. Er wird sich zurückgezogen haben.
Schade, einer gegen alle ist eine sehr ungünstige Ausgangssituation, was ich nachempfinden kann.
[Spr 3] © by Henriette van der Wall, 17. September 2019 und 24.02.2025, Alle Rechte vorbehalten
Stärkung der Immun„abwehr“ – wollen wir das wirklich? Ist das sinnvoll?
Das Wort „Immunabwehr“ kann man in jüngster Zeit häufig lesen – auf Ratgeberseiten und natürlich auch in Firmenanzeigen.
Als ich mal wissen wollte, was das nun genau heißt, war ich wieder einmal etwas überrascht:
Im Pschyrembel, dem Klinischen Wörterbuch, steht dazu in der 257. Auflage: „(lat. immunis frei, verschont,
unberührt, rein): unempfänglich, gefeit“. Gleich darunter steht zu Immunabwehr: engl. immune defense
„Fähigkeit des Organismus zur Abwehr von Antigenen durch das Immunsystem mit Hilfe bestimmter Antikörper bzw.
T–Lymphozyten“.
Die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche hat leider das Gegenteil gebracht, denn: Richtig übertragen ist das Wort
„Immunabwehr“ gleichzusetzen mit: Abwehr der Reinheit, Sauberkeit usw.! Das wäre logisch.
Mit anderen Worten: Es wird das Freie, Verschonte, Unberührte, Reine, Unempfängliche, Gefeite abgewehrt und demzufolge
das Unfreie, Unverschonte, Berührte, Unreine (–oder Unsaubere), Empfängliche, Ungefeite reingelassen.
Es werden also die Krankheitserreger reingelassen!
Einen solchen Schwachsinn soll verstehen wer will, da es bei der Immunisierung doch eigentlich um Sauberkeit
und nicht um die Abwehr der Sauberkeit geht.
Ich verstehe das so, dass der Körper von Natur aus Abwehrkräfte besitzt, also für viele Keime unempfänglich,
vor ihnen gefeit ist. Das ist logisch, denn überall in der Natur gibt es Keime. Könnte sich der Körper nicht aus
eigener Kraft dagegen wehren, gäbe es ihn wahrscheinlich nicht mehr. Es dürfte demzufolge eigentlich bei unserem Tun
darum gehen, diese Unempfänglichkeit durch verschiedene Maßnahmen zu unterstützen.
Dem entsprechen solche Begriffe wie zum Beispiel Immunsicherung, Immunstärkung oder Immununterstützung.
Setzt man anstelle „defense“ das deutsche Wort Verteidigung ein, dann ergibt es auch wieder einen Sinn: Verteidigung des Reinen,
Unberührten usw.. Immunverteidigung ginge auch.
Aber vielleicht ist diese Verkehrung ja auch Absicht, damit niemand wirklich versteht, worum es geht.
Zurück zur Immunisierung. Könnte es nicht einfach heißen Reinheit, Sauberkeit, Unberührtheit,
ergänzt um die sprachlich und sachlich richtigen Begriffe: Keimabwehr oder Verminderung der Keimanfälligkeit? Wir
brauchen Sauberkeit zur Verminderung der Keimanfälligkeit. Das würde jede/r verstehen und manchem möglicherweise
helfen, um Keimen etwas entgegen zu setzen.
Das wäre doch eine gute Erklärung dafür, dass wir durch das sorgfältige Händewaschen einen
Teil der Keime vor der Speiseaufnahme abtöten, zumal das auch für Keime zutrifft, die nicht durch Speise aufgenommen
werden, sondern über Verletzungen in der Haut.
Die Natur macht das bereits von sich aus. So produziert der Körper beispielsweise Magensäure, um möglichst
viele der im Speisebrei befindlichen Keime im Magen vor der Passage durch den Körper abzutöten.
Manchmal bekommt man den Eindruck, als hätten diejenigen unter den Medizinern, die derartige Begriffe küren,
nicht zu Ende gedacht.
[Spr 2] © by Henriette van der Wall, 12. Oktober 2018 und 24.02.2025, Alle Rechte vorbehalten
Der Trochanter major ist nekrotisch, der muss abgeschnitten werden!
Das sagte mir der Stationsarzt bei einer Kur im Jahr 1993, als ich ihm die Aufnahme von 1991 zeigte. Aha, und nun?
Es geschah nichts, die damals behandelnde Ärztin äußerte sich nicht in dieser Richtung,
ich ließ das auf sich bewenden.
Bei der Reha dann Anfang 1996 in einer anderen Einrichtung fiel mir das wieder ein. Ich fragte den Stationsarzt,
was es damit auf sich hätte und bekam eine sehr aufschlussreiche Antwort: „Frau van der Wall, der Knochen
ist ein lebendes Gewebe und wenn Sie die Muskeln richtig betätigen, die daran ansetzen, dann verbessert sich
auch seine Struktur wieder!“
Der Ton war zum Weglaufen, die Information des Stationsarztes war jedoch in mehrfacher Hinsicht sehr aufschlussreich:
- Er hatte also auf der Röntgenaufnahme gesehen, dass sich die Knochenstruktur im Trochanter major und auch
im linken Hüftgelenk im Vergleich zu einem gesunden Knochen sehr verschlechtert hatte. Da hätte er doch
fragen müssen, ob, wie viel und welche Physiotherapie ich vor der Reha–Maßnahme ambulant und stationär
erhalten habe und auch, was ich aus eigenem Antrieb gemacht hatte. Er fragte mich genau so wenig nach meinen eigenen
Trainingsaktivitäten zur Verminerung der Beschwerden wie all die
anderen Ärzte zuvor und später. Fakt ist, dass bis dahin nicht die richtigen Muskeln trainiert worden waren.
(Zur Erinnerung: Ich hatte mich mein ganzes Leben sehr viel bewegt und bereits viele ambulante und drei
stationäre Reha–Maßnahmen hinter mir.)
- Er fragte auch nicht, ob ich bei den Übungen
in dieser Einrichtung, wo er arbeitete, irgend etwas anderes gelernt hätte als ich es gewohnt war.
(Für meine Person waren hinsichtlich der Übungen keinerlei Änderungen erkennbar.)
- Er ging auch mit keinem Wort darauf ein, dass man für diesen Zustand des Knochengewebes einen falschen Begriff
gewählt hat, weil es doch lebt und nicht tot ist.
(Das Wort „Nekrose“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet totes Gewebe. Das heißt, die Mediziner
verwenden den falschen, desorientierenden Begriff „Nekrose“ für ein lebendes Gewebe. Wie schizophren
ist denn das?
Mit anderen Worten, auch dieser Arzt ließ mich allein und versuchte nicht heraus zu finden, was ich anders machen
müsste. Für mich war klar, dass ich offensichtlich nicht diejenigen Muskeln betätigte, die mich
abstützen und damit auch für die richtige Knochenernährung und –struktur sorgen.
[Spr 1] © by Henriette van der Wall, 03. Oktober 2018, Alle Rechte vorbehalten
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Letzte Änderung: 24.02.25