Die gängige Lehrmeinung zur Biomechanik der menschlichen Hüfte
Die erforderliche Kraft, um uns beim Gehen, Stehen und Laufen abzustützen,
erzeugen die Muskeln im Gesäß– und Oberschenkelbereich!
Welche Kraft diese Stützmuskeln besitzen, erkennt man am besten, wenn man auf einem Bein steht, denn:
Die maßgebliche Belastung ist der Einbeinstand!
(so wird Pauwels in der einschlägigen Fachliteratur zitiert)
Beim Gehen und Laufen ist jedes Bein im Wechsel Standbein oder Spielbein.
Die richtig funktionierende Muskulatur im Gesäß–/Oberschenkelbereich hat
die ausreichende Kraft, um beim Einbeinstand richtig abzustützen und bewirkt:
- Ein gleichmäßiges und harmonisches Gangbild
- Die richtige Belastung der Gelenke ohne Überforderung
- Ein gutes und beschwerdefreies Gehvermögen bis ins hohe Alter
Die nicht richtig funktionierende Muskulatur im Gesäß–/Oberschenkelbereich hat
keine ausreichende Kraft, um beim Einbeinstand richtig abzustützen; die Folgen sind:
- Ein ungleichmäßiges Gangbild
- Einseitiges Humpeln
- Beidseitiges Humpeln – „Watschelgang“
- Schmerzen
- Hüftarthrose
- Ersatz durch ein künstliches Hüftgelenk
- Beschwerden in Knien und Rücken.
Bei Beschwerden wird als erstes Physiotherapie verschrieben, mit der die Stützmuskulatur
gekräftigt werden soll. Das erfolgt nach der traditionellen Lehrmeinung. Diese besagt:
Der Einbeinstand wird durch die Abduktoren Musculus gluteus medius und Muskulus gluteus minimus –
auch als kleine Gesäßmuskeln
bezeichnet – gestützt.
So findet man es in den Büchern zu den Gebieten Anatomie, Biomechanik, Sportanatomie,
Orthopädie sowie Physiotherapie.
Selbst wenn die Patienten auch zu Hause üben – der gewünschte Erfolg,
ein besseres Gehvermögen und geringere Beschwerden, stellt sich oftmals nicht ein.
Schauen
wir uns deshalb hier die bestehende Lehrmeinung mal auf der Grundlage folgender
Veröffentlichungen genauer an:
- Dr. med. Klaus Buckup, Orthopädische Klinik Dortmund:
Klinische Tests an Knochen, Gelenken und Muskeln; Untersuchungen – Zeichen –
Phänomene, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart New York, 2000
- Prof. Dr. med. Ibrahim A. Kapandji, Chirurg, ehem. Direktor der Chirurgischen Klinik Paris:
Funktionelle Anatomie der Gelenke Schematisierte und kommentierte Zeichnungen zur
menschlichen Biomechanik, Band 2, 3. unveränderte Auflage, Hippokrates Verlag GmbH,
Stuttgart 1999
Übersetzung von: Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Koebke, Zentrum für Anatomie Universität Köln
- Prof. em. Dr. med. Benno Kummer, ehem. Direktor des Anatomischen Instituts der
Universität zu Köln: Biomechanik Form und Funktion des Bewegungsapparates,
Deutscher Ärzte-Verlag, 2005
- Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. Dr.-Ing. E.h. Friedrich Pauwels, Facharzt für Orthopädie:
Atlas zur Biomechanik der gesunden und kranken Hüfte, Prinzipien, Technik und Resultate
einer kausalen Therapie, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 1973
- Prof. Dr. med. univ. Werner Platzer, Vorstand des Instituts für Anatomie der Universität Innsbruck:
Taschenatlas der Anatomie Band 1: Bewegungsapparat, 6. überarbeitete Auflage 1991
Georg Thieme Verlag
- Prof. Dr. med. R. Putz, Vorstand des Anatomischen Instituts der Ludwig–Maximilians–Universität
München und
Prof. Dr. med. R. Pabst, Leiter der Abteilung für Funktionelle und Angewandte Anatomie der
Medizinischen Hochschule Hannover: Sobotta - Atlas der Anatomie des Menschen, Band 2:
Rumpf, Eingeweide, untere Extremität, 21. Auflage 2000, URBAN & FISCHER, München Jena
- PD Dr. med. Christian Tschauner, Leitender Oberarzt der kinderorthopädischen Abteilung
LKH-Department 1 Stolzalpe (Hg.): Die Hüfte Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1997
- Prof. em. Dr. med. Dr. phil. Habil. Jürgen Weineck, Institut für Sportwissenschaft der Universität
Erlangen – Nürnberg: Sportanatomie, 16. Auflage, 2003, SpittaVerlag GmbH & Co. KG
In den bildnerischen Darstellungen sieht das wie folgt aus::
Abb. 1:
„Durch die Last P des Teilkörpergewichtes hat das Becken die Tendenz, um das Hüftgelenk des
Standbeines zu kippen.“
Quelle: Kummer, a.a.O.
Abb. 2:
„Beim Einbeinstand wird das Becken allein durch die Abduktoren (MF) des Standbeines stabilisiert.“
Quelle: Kapandji, a.a.O.
Abb. 3:
„Beim Gehen neigen die Abduktoren das Becken zum jeweiligen Standbein und ermöglichen
so das freie Vorschwingen des Spielbeines.“
Quelle: Weineck, a.a.O., Originalgrafik hier gespiegelt
Abb. 4:
„Beim Einbeinstand kontrahiert sich die Becken- und Trochantermuskulatur (Mm. glutaei medius et
minimus) auf der Standseite und hebt das Becken auf der nicht unterstützten Seite bzw. hält es
in nahezu horizontaler Stellung.“
Quelle: Buckup, a.a.O.
In der Schemazeichnung von Platzer sind das die blau und grün eingezeichneten Muskeln,
die hier gelb umrandet sind:
Abb. 5:
Quelle: Platzer a.a.O.
Pauwels hat dafür folgende Formel entwickelt, auf die sich alle, auch international, berufen:
Für den Einbeinstand gelten nach dem klassischen
Pauwelsschen Hebelmodell
(„Balkenwaage“) unter statischen Bedingungen für die Frontalebene folgende
Gesetzmäßigkeiten:
Damit das Hüftgelenk im Gleichgewichtszustand ruhig verharrt, muss das über den
etwa dreimal längeren Lastarm b wirkende Körperteilgewicht K (= Körpergewicht
abzüglich Gewicht des Standbeines) durch die Anspannung der über den Kraftarm a
angreifenden Abduktoren M kompensiert werden.
Mathematisch formuliert:
M . a = K . b
Auf Grund der bestehenden Hebelverhältnisse (kurzer Kraftarm a) muss daher M drei
Mal so groß sein wie K. Körperteilgewicht K und Muskelkraft M können vektorgraphisch
summiert werden:
Als vektorielle Summe aus Körperteilgewicht K und Abduktorenkraft M entsteht die
resultierende Gelenkskraft R (Pauwels)
zitiert nach Tschauner, a.a.O.
Als Abbildung sieht das so aus –
Abb. 6:
Quelle: Pauwels, a.a.O.
Auch in späteren Veröffentlichungen anderer Autoren, z.B. Verfassern von
Anatomiebüchern der letzten zehn Jahre, findet man keine Überlegungen dazu, ob und
welche anderen Muskeln für die Stützfunktion
infrage kommen könnten. Anlass dazu gäbe es aus folgenden Gründen:
- Obwohl die kleinen Gesäßmuskeln durch die verordnete Physiotherapie beübt werden,
verbessert sich das Gehvermögen oftmals nicht
- bei einem Viertel der Hüftarthrosen kennt man die Ursache nicht.
Aus diesem Grund habe ich mir, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, Anfang 1999 das Taschenbuch
für Anatomie, Teil Bewegungsapparat, von Werner Platzer, gekauft. Dort ist erkennbar, dass
es eine Muskelgruppe gibt, die näher an der Wirbelsäule verortet ist als die kleinen
Gesäßmuskeln. Es handelt sich um die lateralen Rotatoren. Anhand der Zeichnungen
erkennt man
sowohl ihre Form und Größe als auch die Ursprungsflächen im Bereich des Beckens,
ihren Verlauf sowie ihre Ansatzflächen am Großen Rollhügel.
Diese lateralen Rotatoren haben viele Ursprungsflächen im Bereich
des Beckens. Ein Muskel wird sogar über eine Umlenkrolle geführt, wodurch die auf diesen
Muskel wirkende Last halbiert wird. Zwei Muskeln haben ihren Ursprung teilweise auf
einer Bindegewebsfläche.
Das alles lässt darauf schließen, dass damit große Lasten abgefangen werden können.
Ihre Verortung
in dem Bereich bestätigte mein durch extensives Training bereits gewonnenes Körpergefühl.
Das half mir, weiter zu üben und nicht aufzugeben.
Zu welchen Ergebnissen ich hinsichtlich der Biomechanik der menschlichen Hüfte gekommen bin,
ist dort nachlesbar. <-- Anmerkung; Hier ist ein Fehler, den ich im Prozess suchen muss
Zurück zum Seitenanfang
Zurück zur Startseite
Letzte Änderung: 05.03.25